Warum sieht unser Park momentan so aus? | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Warum sieht unser Park momentan so aus?

Informationen zur Umstellung von regelmäßiger Mahd auf gezielte Schafbeweidung.

Das Foto zeigt die Beweidung auf einer Grünfläche mit höherer Vegetation. Genau diese Veränderung führt momentan bei einigen Einwohnerinnen und Einwohnern zu Fragen. Die Fläche wird nicht mehr ausschließlich durch regelmäßige Mahd kurz gehalten, sondern durch Schafbeweidung gepflegt. Dadurch entwickelt sich die Vegetation zunächst sichtbar anders.

Landschäferei Wodtke & Sohn · Weidehaltung für eine naturnahe und vielfältige Fläche

Von regelmäßiger Mahd zur Beweidung
In den vergangenen Jahren wurde der Park durch die Diakonie etwa zwei- bis dreimal jährlich gemäht. Dadurch wurde die Vegetation regelmäßig zurückgesetzt und die Fläche blieb relativ kurz. Seit etwa einem Jahr beweiden unsere Schafe den Park. Im vergangenen Jahr kamen sie allerdings erst nach der ersten Mahd auf die Fläche. Die Vegetation war zu diesem Zeitpunkt bereits kurz, sodass die Umstellung kaum sichtbar war. Dieses Jahr übernehmen die Schafe die Pflege der Fläche dagegen von Beginn der Vegetationsperiode an. Dadurch entwickelt sich die Vegetation zunächst deutlich höher und natürlicher, als man es von einer regelmäßig gemähten Fläche gewohnt ist.

Warum sind die Brennnesseln so hoch?
Die Brennnesseln sind nicht neu entstanden. Sie waren auch in den vergangenen Jahren bereits auf der Fläche vorhanden. Durch die regelmäßige Mahd wurden sie jedoch immer wieder zurückgeschnitten. Ohne diese Mahd können sie ihre oberirdische Blattmasse deutlich stärker entwickeln. Brennnesseln profitieren außerdem von nährstoffreichen Böden und können sich über unterirdische Rhizome sehr effektiv ausbreiten. Deshalb verschwinden sie nicht einfach, wenn man sie einmal mäht. Unser Ziel ist deshalb nicht, die Brennnesseln durch eine einmalige Mahd kurzfristig kleiner aussehen zu lassen. Wir möchten vielmehr durch eine gezielte und wiederholte Beweidung die Vegetationsentwicklung langfristig beeinflussen.

Beweidung auf einer Fläche mit höherer Vegetation – die Tiere nutzen die vorhandene Vegetation gezielt.

Was leisten die Schafe dabei?
Schafe fressen Pflanzen nicht wahllos. Welche Pflanzen aufgenommen werden, hängt unter anderem von deren Alter, Nährstoffgehalt, Struktur und Verfügbarkeit ab. Junge Gräser und Kräuter werden häufig bevorzugt aufgenommen. Größere und ältere Brennnesselbestände werden dagegen zunächst teilweise stehen gelassen. Deshalb funktioniert eine gezielte Beweidung nicht nach dem Prinzip: „Schafe draufstellen und am Ende ist alles kurz.“ Die Beweidung muss gesteuert werden. Durch kleinere Weideabschnitte und eine angepasste Beweidungsdauer kann die Vegetation intensiver und gleichmäßiger genutzt werden.

Wie wirkt wiederholter Verbiss?
Wiederholter Verbiss reduziert die Blattmasse der Pflanzen. Dadurch steht der Pflanze weniger Blattfläche für die Photosynthese und damit für die Einlagerung von Reservestoffen zur Verfügung. Bei einer langfristig passenden Bewirtschaftung kann dies dazu beitragen, konkurrenzstarke Pflanzen zurückzudrängen und anderen Arten mehr Raum zu geben. Wichtig: Die Schafe werden selbstverständlich nicht hungern gelassen. Eine ausreichende Futterversorgung und das Tierwohl stehen immer an erster Stelle.

Was ist das langfristige Ziel?
Wir möchten aus der Fläche keinen klassischen „englischen Rasen“ machen. Durch die Beweidung soll sich langfristig eine strukturreichere und artenreichere Vegetation entwickeln. Unterschiedliche Gräser, Kräuter und Blühpflanzen sollen nebeneinander vorkommen können. Davon profitieren wiederum zahlreiche Insekten und andere Tiere. Eine solche Entwicklung geschieht allerdings nicht innerhalb weniger Wochen.

Eine solche Umstellung braucht Zeit
Bei der Veränderung einer Fläche sollte man nicht in Monaten, sondern eher in mehreren Jahren denken. Erste Veränderungen können bereits nach ein bis zwei Jahren sichtbar werden. Bis sich die Vegetationsstruktur deutlich verändert und sich eine stabile, vielfältigere Pflanzengemeinschaft entwickelt, können jedoch drei bis fünf Jahre oder auch länger vergehen. Dabei spielen unter anderem Bodenbeschaffenheit, Nährstoffversorgung, Niederschlag, Witterung und die jeweilige Beweidungsintensität eine wichtige Rolle.

Wir beobachten die Entwicklung Naturnahe Bewirtschaftung bedeutet nicht, dass wir die Fläche einfach sich selbst überlassen. Wir beobachten regelmäßig, wie sich die Vegetation entwickelt, und passen die Beweidung entsprechend an. Sollte es an einzelnen Stellen notwendig sein, können auch ergänzende Pflegemaßnahmen wie eine Nachmahd sinnvoll sein.

Unser Ziel ist nicht, den Park möglichst schnell wieder kurz und „ordentlich“ aussehen zu lassen. Unser Ziel ist es, die Fläche langfristig ökologisch aufzuwerten und gleichzeitig sinnvoll zu pflegen. Was momentan vielleicht ungewohnt oder stellenweise etwas wild aussieht, ist Teil einer längerfristigen Entwicklung. Wir möchten gemeinsam mit unseren Schafen einen vielfältigen, naturnahen und lebenswerten Park für unser Dorf schaffen.

Landschäferei Wodtke & Sohn Tel.: 0151/59466209